StartLokalesNieheimKlassikfestival Voices feierte 25-jähriges Bestehen

Klassikfestival Voices feierte 25-jähriges Bestehen

Holzhausen. Seit 25 Jahren ist das internationale Stimmenfestival Voices auf Gut Holzhausen ein kulturelles Aushängeschild im Kreis Höxter. Auch in diesem Jahr gab es dort wieder 10 Events, verteilt auf neun Tage. Zu Ende gegangen ist es mit einem seit Wochen ausverkauften Kabarettkonzert mit der Kölner Chanson-Sängerin Tina Teubner.
Daneben gab es erneut eine große stilistische Bandbreite der nicht nur vokalen Musik zu erleben. Vom Sinfoniekonzert bis zum minimalistischen Jazzduo kam das Publikum im zum 300 Leute fassenden historischen Bullenstall von Gut Holzhausen auf seine Kosten. „Es war eine tolle Festivalwoche, von der man am Anfang denkt, es sei ein langer Zeitraum, und dann jedes Mal wieder verwundert ist, wie schnell die Zeit vergeht“, sagt Intendantin Leonore von Falkenhausen, selbst eine ausgebildete Sopranistin mit langjähriger Bühnenerfahrung.
Mit sicherem Gespür für Kunst und Künstler hat sie auch in diesem Jahr ein Programm zusammengestellt, das den Vergleich mit großen Klassikfestivals nicht zu scheuen braucht. Sogar eine europäische Uraufführung hatte Leonore von Falkenhausen mit der Nordwestdeutschen Philharmonie aus Herford für Voices auf den Weg gebracht.
Große Musikkunst in kleinem Rahmen zeigte zum Auftakt das Duo Katharina Debus und Hans Höhn. Zwischen Sopranistin Debus und Kontrabassist Höhn liegen immer drei bis vier Oktaven, dennoch begegneten sich die beiden Musikkünstler in ihrem Jazz- und Chansonprogramm absolut auf Augenhöhe.
Was das Voices-Festival besonders auszeichnet, sind seine Liederabende. Einen ganzen Konzertabend mit Blumenliedern gestalteten Sopranistin Kathrin Hattinger und Tenor Georg Poplutz mit der Pianistin Tatjana Dravenau. Gewöhnlich sprechen Liederabende ein eher kleines Publikum an. Hier aber waren rund 150 Zuhörerinnen und Zuhörer im Saal. „Ich war selbst überrascht, wie gut dieser Abend Liederabend besucht war“, freute sich Intendantin von Falkenhausen. Gleich zu Anfang gab es mit der „Blumensprache“ ein sehr unbekanntes Lied des sehr bekannten Opernkomponisten Engelbert Humperdinck (Hänsel und Gretel).
Ob Blumen können reden, fragt mich ein Mägdlein schön. Gewiss, doch nicht für jeden, man muss sie nur verstehn. Sieh selbst mich an und schweige, dann sagt dein Auge mir, wie gern mein Haupt ich beuge, du liebste Blume, dir; heißt es dort nach einem Gedicht des als Schriftsteller wenig bekannten westfälischen Bankiers und Politikers Moritz Leiffmann aus Unna.
Ein besonderer programmatischer Höhepunkt und eine Sternstunde für Barock-Fans war der Auftritt des Ensembles BachWerk Vokal Salzburg. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich ein preisgekröntes Vokalprojekt, das der Gesangsdozent Gordon Safari vor zehn Jahren gegründet hat. Am Mozarteum in Wien lehrt Gordon Safari den Umgang mit großen Oratoriumschören. Sein BachWerk-Ensemble kommt mit acht Sängerinnen und Sängern und vier Instrumentalisten aus. Das BachWerk Vokal hat sich vor allem mit Ersteinspielungen und Repertoire-Wiederentdeckungen aus der Barockzeit einen Namen gemacht. So eine Rarität ist auch die Motette „Halt, was du hast“ von Johann Michael Bach, einem Großonkel des berühmten Johann Sebastian Bach. Johann Michael wurde 37 Jahre früher geboren. Es ist jedoch bekannt, dass Johann Sebastian diesen Onkel sehr geschätzt hat, denn er hat mehrere Werke von ihm in seinem so genannten altbachischen Archiv aufbewahrt.
Was das BachWerk Vokal insbesondere auszeichnete, war seine brillante Textverständlichkeit. Meistens ist es gerade bei barocker Kirchenmusik mit der Textverständlichkeit so eine Sache. Darum wird er gerade bei großen Oratorien oftmals gern mit abgedruckt. Jesu, meine Freude, meines Herzens Weide, Jesu, meine Zier. Ach wie lang, ach lange ist dem Herzen bange und verlangt nach dir, war in seltener Klarheit und Deutlichkeit zu verstehen. Mit diesem ersten Auftritt beim Voices Festival hat das BachWerk Vokal Salzburg eine beeindruckende Visitenkarte hinterlassen. Leonore von Falkenhausen: „Es fühlt sich an, als würden wir auch nach 25 Jahren noch immer besser werden.“

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