Der jüdische Friedhof im Ortsteil Willebadessen liegt etwas abseits, ist aber landschaftlich wunderbar eingebettet in malerische Weiden und Waldflächen mitten im Naturschutzgebiet der Willebadessener Kalktriften. Links führt in einiger Entfernung der viel besuchte Schmetterlingspfad vorbei und oberhalb befindet sich das Gelände des Modellflugplatzes. Eher selten verirren sich Menschen hierher. Doch der Weg lohnt sich und Ortsheimatpfleger Rainer Brinkmann ist überzeugt, dass mit der Aktion „Haus der Ewigkeit“ der kleine jüdische Friedhof in Willebadessen wieder stärker bewusst wahrgenommen wird. „Ein jüdischer Friedhof ist weit mehr als eine Begräbnisstätte; er ist auch ein Zeugnis der Geschichte unseres Ortes“, sagte Brinkmann.
Mit Unterstützung der Vereine Heimatleben und der Historischen Gesellschaft Willebadessen ist auf dem jüdischen Friedhof eine neue Informationstafel aufgestellt worden. Rund 50 Interessierte haben an der Eröffnungsveranstaltung teilgenommen. Aus London und München waren sogar Nachfahren der in Willebadessen bestatteten Familien Stern und Markhoff angereist. Am Vorabend gab es dazu bereits einen Vortragsabend über die Geschichte der Willedadessener jüdischen Familien.

Die neue Tafel steht jetzt zentral auf dem Friedhofsareal und informiert über die dort beigesetzten jüdischen Familien und ihre Verbundenheit zu dem Ort, aus dem sie vertrieben wurden, flüchten mussten und gar deportiert und ermordet wurden. „Es ist uns wichtig, dass aus der Erinnerung keine Gleichgültigkeit wird und wir für die Zukunft daraus lernen“, sagte die Vorsitzende der Historischen Gesellschaft, Andrea Thalmaier.
Tief bewegt zeigten sich auch die Ehrengäste. „Diese Reise hat sich wirklich gelohnt und ich danke den Menschen in Willebadessen für ihr Engagement“, sagte Simon Dreyer aus London, ein Nachkomme der Willebadessener jüdischen Familie Markoff, die zum Teil nach England ausgereist ist. Henry Stern aus München hat bereits 2019 in einem Buch die Geschichte seiner Familie festgehalten. Sein Vater Viktor Stern konnte kurz vor Kriegsende bei einem der berüchtigten Todesmärsche aus dem Konzentrationslager Dachau fliehen und wie durch ein Wunder überleben. Er hatte auch nichts mehr zu verlieren, seine Frau Resi und die noch kleinen Kinder Manfred und Denny waren zuvor von den Nazis ermordet worden. „Obwohl mein Vater alles durchgemacht hat, ist er immer wieder gern nach Willebadessen zurückgekehrt, um alte Freunde zu besuchen“, berichtet Henry Stern.

Auf dem jüdischen Friedhof in Willebadessen gibt es noch sieben von ehemals 21 Grabstätten. Im Zuge einer Bau- und Gestaltungsmaßnahme war der Friedhof 1951 verkleinert worden. Die damals abgeräumten Grabsteine sollen aber noch erhalten sein. Wieder aufgestellt werden sie aber wohl nicht. Allerdings will Ortsheimatpfleger Rainer Brinkmann auch in Willebadessen vor den ehemals jüdischen Häusern Stolpersteine verlegen. Ortsheimatpfleger Rainer Brinkmann: „Die notwendigen Recherchen sind soweit abgeschlossen, aber es benötigt einen großen zeitlichen Vorlauf, so eine erste Stolpersteinaktion vorzubereiten.“
Einen besonderen Dank richtete Brinkmann auch an Landwirt Bernhard Jacoby, an dessen Scheune die bisherige Infotafel angebracht war und der sich in besonderer Weise seit Jahren für die Pflege und den Erhalt des jüdischen Friedhofs einsetzt. An der Erstellung der neuen Tafel haben insbesondere auch die Heimathistoriker Ansgar Holzknecht aus Willebadessen und Runa Scharlau aus Altenheerse mitgewirkt. Insbesondere Runa Scharlau (21) hatte bereits vor drei Jahren in ihrem Heimatdorf eine Stolpersteinverlegung initiiert.